Kröte, mutterliebe

Warum

An einem Samstag in der Adventszeit fuhr mein Mann mit unseren Söhnen einen Tannenbaum aussuchen. Somit hatte ich den Vormittag frei.  Hin und her gerissen überlegte ich, ob ich mich einfach aufs Sofa fallen lassen sollte oder lieber zum Shoppen in die Stadt fahren wollte. Ja, an einem Adventssamstag. Aber als Mutter ist es trotz vieler hundert Menschen verlockend „allein“ Shoppen zu gehen. In Ruhe Dinge anzusehen, etwas anprobieren oder ausprobieren.

Also fuhr ich in die Stadt. Und die ersten beiden Stunden verliefen herrlich. Ich habe tatsächlich ein paar Teile gefunden und sogar ein tolles Schnäppchen gemacht. Dann wollte ich noch kurz was aus der Drogerie besorgen.

Da traf ich einen Bekannten, den ich viele Jahre nicht mehr gesehen habe. Seine Frau war im Laden, während er mir fast sofort erzählte, sie hätten vor 4 Wochen eine Totgeburt wegen T21 gehabt. Ich war so erschrocken und musste erst nochmal nachfragen. Er bestätigte den Abbruch und wie schlecht es seiner Frau ginge. Die kam in dem Moment dazu. Er fragte ob ich Kinder hätte. Sie brach fast im selben Moment in Tränen aus und verabschiedete sich. Ich blieb zurück ohne groß was gesagt zu haben. Aber mit einem echten Schock.

Ich fuhr ziemlich benommen nach Hause und heulte erstmal ausgiebig. Gleichzeitig war ich wütend. Vor allem auf mich. Ich hätte etwas sagen müssen. Wenn nötig, ihnen hinterherlaufen. Ich hätte etwas sagen müssen, um MEIN Kind zu verteidigen. Denn durch Menschen wie diese Beiden, fühle ich mein Kind herabgesetzt. Als sei er nicht liebens- oder lebenswert. Ich habe als Mutter versagt.

Diese kurze Begegnung, dieses höchstens 4-Minütige Gespräch hat mich seit dem nicht mehr los gelassen.

Ich muss etwas tun. Ich will aufklären. Ich will diese Klischees verblassen lassen. Ich will zeigen, dass Menschen die unter den Bedingungen des Down Syndroms leben, sich oft gar nicht so groß von Menschen mit „Normal-Syndrom“ unterscheiden. Natürlich gibt es auch hier große Unterschiede. Aber wir sind ja auch nicht alle Professoren der Kernphysik.

Thats it. Dieser Blog ist eine Art Kampf. Für Menschen mit Down Syndrom. Gegen hässliche Klischees. Für meinen Sohn. Für mein Herz. Und so.

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Geschwister

3 thoughts on “Warum”

  1. Hallo Simona,
    ich bin durch Zufall auf deine Seite aufmerksam geworden und möchte nicht gehen, ohne dir ein paar Worte hier zu lassen!

    Ich glaube, dass in allem etwas Gutes steckt. Die Begegnung mit deinen Bekannten hat dich negativ berührt, aber sie hat auch etwas in dir geweckt: die Motivation aufzuklären und zu kämpfen, für dein Kind, die Klischees und dich. Das finde ich sehr stark!
    Lasse dich nicht unterkriegen. Und ich bin mir sicher, sollte es noch einmal zu einer solchen Situation kommen, wirst du ganz anders reagieren.

    Viele Grüße von Tanja

    Gefällt mir

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