Kröte

Das Leben danach

Wenn es holprig wird steigt man nicht aus, sondern schnallt sich an.

Die Humangenetikerin gab mir am Telefon den Rat, schnellstmöglich einen Termin bei einem Kinder-Kardiologen zu machen. Häufig haben Kinder mit Down Syndrom Herzfehler und/oder Magen-Darm-Störungen.

Es begann eine lange Reihe von Untersuchungen: Herz, Magen-Darm, Augen, Ohren, Orthopädie, Schilddrüse… Ergebnis: Unser Bub ist topfit. Er hat ein gesundes Herz, einen gut funktionierenden Magen-Darm-Trakt, sieht gut und hört gut (vorausgesetzt er will). Die Schilddrüsenwerte sind so wie sie sein sollen und außer ein paar Blockaden, die sofort gelöst wurden, konnte auch die Orthopädin/Osteopathin nichts finden. Einzig ein Leistenhoden macht uns Probleme, was aber nicht unbedingt mit der Trisomie 21 zusammen hängt.

Natürlich wollte ich auch eine zu uns passende Physiotherapie finden. Naiv wie ich war, habe ich ja zunächst einen Termin bei irgendeiner Physiotherapeutin gemacht und gut. Nach und nach fand ich dann heraus, dass es sehr viele Arten der Therapie gibt. Man konnte nach Bobath, Vojta, Pörnbacher, Castillo Morales turnen… Jeder erzählte mir von andere Erfahrungen und hatte Tipps. Logisch. Ich versuchte mich einzulesen, aber war schnell überfordert. Doch wie sollte ich entscheiden, wenn ich keine Ahnung hatte? Also suchte ich erstmal nach Therapeuten, die für uns erreichbar waren. Es stellte sich heraus, dass wir von jeder Therapieart mindestens 1 Therapeuten in der Nähe hatten. Obwohl wir in einer kleinen Stadt leben. Also machte ich überall einen Termin.

Letztlich entschieden wir uns für eine Therapeutin die Bobath und auch Pörnbacher kombiniert und uns mit einem Strahlen und den Worten empfing: „Ich liebe besondere Kinder. Alle besonderen Kinder zu mir!“ Der erste Eindruck täuschte nicht, wir sind nun seit fast einem Jahr einmal die Woche in diesem großen Therapiezentrum und die Kröte und A. sind ein super Team. Wir haben alle drei Spaß und ich glaube, dass ist ein ganz großer Teil zum Erfolg.

Einmal die Woche bekommen wir Besuch von einer sehr netten jungen Frau, die mit Kröte spielt. Frühförderung nennt man das. Es läuft über die Lebenshilfe und die Kröte freut sich sehr über die Besuche von S., wobei ich glaube, dass die große mitgebrachte Spielzeugtasche eine nicht unerhebliche Rolle dabei spielt.

Beide Termine empfinde ich nicht als Belastung. Im Gegenteil. Wenn die Frühförderung da ist, habe ich sogar Zeit nebenbei noch schnell ein paar Kleinigkeiten zu erledigen und weiß mein Kind in guten Händen. Und die Physiotermine sind schon fast wie ein Kaffekränzchen, nur ohne Kaffee (Lebensmittel sind leider streng verboten in den Therapieräumen).

Und währenddessen wächst und gedeiht unser Sohn. Hört, sieht, schmeckt, riecht alles wie wir. Greift, guckt, krabbelt, sitzt, steht, isst, trinkt und lacht. Es gibt nur einen Unterschied bisher: Er ist oft gelassener als andere Kinder in seinem Alter. Schreit seltener, schläft besser. Weil die kleinen Geschwisterkinder immer einfacher sind, sagen die einen. Weil Kinder mit Down Syndrom ausgeglichener sind, meinen die anderen. Er ist, wie er ist, sage ich. Anders gäbe es ihn nicht. Und das wäre schrecklich traurig.

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