Kröte, mutterliebe, Normaler Wahnsinn

Entscheidungen

Mutter sein bedeutet Entscheidungen zu treffen. Jeden Tag. Mal ganz kleine, mal große, mal bedeutende. Und immer die Frage: Ist sie richtig?

Ich hatte immer das Glück, nicht oft krank gewesen zu sein. Oder mich schwerer verletzt zu haben. Und Mukkel ist zum Glück auch ein topfiter Bub. Kröte ist ebenfalls organisch gesund, aber viel anfälliger als sein großer Bruder. Der arme Kerl hatte mit knapp 5 Monaten seinen ersten Pseudo-Krupp-Anfall. Für mich, total ahnungslos, war das sehr extrem. Wenn das eigene Kind plötzlich so bellend hustet, dass es kaum noch menschlich klingt, dabei nach Luft japst und in Panik gerät. Dadurch wird alles natürlich noch schlimmer und so dreht man sich im Kreis. Instinktiv habe ich in dieser Nacht das Richtige getan und bin mit ihm an die „frische“ Luft (nachts, Ende Januar, Nieselregen). Da standen wir also und Kröte bekam etwas besser Luft. Tagelang hustete er noch und war heiser.  Zum Glück hat er sich erholt und bei jedem weiteren Mal hatten wir etwas mehr Erfahrung und Routine.

Was aber, wenn es nicht um Krankheiten geht, sondern um Dinge wie Krankengymnastik, Ergotheraphie, Logopädie, Kindergarten- und Schulauswahl und solche Dinge?

Auch hier bin ich quasi jungfräulich. Selbst bekam ich bisher noch nie Physiotherapie und kenne die Praxen nur durch (selbst verordnete) Massagetermine. Wie kann ich also vernünftig für mein Kind entscheiden? Bei der Physiotherapie fühlen wir uns gut aufgehoben. Aber ab wann sollte man lieber zur Ergotherapie wechseln? Oder kann man beides kombinieren? Die Kröte quatscht und brabbelt wie verrückt den ganzen Tag. Laut und leise, energisch und sanft. Ab wann macht Logopädie Sinn? Brauchen wir das überhaupt? Woher weiß ich was richtig und falsch ist? Wie erfahre ich überhaupt, was für Möglichkeiten  es gibt? Ich will unsere kostbare Freizeit auf keinen Fall nur mit Therapien verbringen.

Ich habe die Kröte ja nun im Spielkreis angemeldet, im Feld „Besonderheiten“ klafft ein großes, weißes Loch. Ihr habt mich in meiner Entscheidung so toll bestärkt – Danke nochmal!
Aber wie wird das im Kindergarten? Am liebsten will ich ihn als Regelkind in den Regelkindergarten geben. Gut, da ist noch etwas Zeit hin, aber die Anmeldung ist ja schon nötig. Sollte ich uns auch schon mal einen Platz in einem Integrationskindergarten sichern? Oder braucht er eine begleitende I-Kraft?
Ich möchte in seiner Erziehung, seinem Leben eigentlich keine Besonderheiten schaffen, die er nicht braucht. Er soll und wird von anderen (Regel-)Kindern lernen, da er bisher recht fit ist kommt er dort sicher auch mit. Mal besser, mal schlechter. Oder wird er Frust aufbauen, da er sicher zu den langsamen und späteren gehören wird?

Wenn ich mit Eltern von besonderen Kinder spreche, gibt es ganz verschiedene Aussagen. Ich bin dankbar für jeden Tipp und alle Erfahrungen, die mit mir geteilt werden. Ganz oft höre ich: „Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn du daran ziehst. Warte ab, hab Geduld!“
Dieses „Geduld“ kann ich leider gar nicht. Und diesen Satz mit dem Gras verstehe ich auch nur bedingt. Natürlich darf ich nicht daran ziehen, dann mach ich es kaputt. Aber ich kann doch für viel Luft und Sonne sorgen, für Wasser und guten Dünger. Ich sortiere störendes Unkraut aus und pflege die Gänseblümchen. Zurücklehnen und es beobachten? Bei dem Gedanken daran beginnt es in mir zu kribbeln und zu hibbeln. Das kann ich nicht. Leider? Oder zum Glück? Da ist es wieder. Das Entscheidungsproblem. Erwachsen sein ist manchmal doof.

Zumindest erstmal habe ich jetzt den Ball abgegeben. Unsere Anmeldung in einem SPZ (Sozialpädiatrisches Zentrum) läuft. Physio und Kinderarzt sind zwar sehr zufrieden mit Krötes Entwicklung, aber mir ist wichtig, dass er auch einmal von Profis angesehen wird. Ich will nichts verpassen. Und optimieren kann man doch immer etwas, oder?

Wie trefft ihr Entscheidungen? Macht ihr eine Liste mit Pro und Kontra? Entscheidet ihr aus dem Bauch heraus oder googelt ihr euch die Finger blutig?

Her mit euren Tipps!

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3 thoughts on “Entscheidungen”

  1. Entscheidungen aus dem Bauch heraus sind meist de besten.
    Natürlich könnte man immer mehr machen und natürlich würde es auch irgendwo etwas bringen, aber etwas anderes bleibt auf der Strecke.
    Bei unserer Förderpraxis PEp in Mainz sind wir schon mal toll aufgehoben und was ich sehe, die Einzelkinder mit Down Syndrom sind die besser geförderten. Hier wird alle Mühe und Zeit in die Kinder gehängt. Das kann man mit mehr als einem Kind aber nicht, also Mut zur Lücke, ich weiß, dass Zeit begrenzt ist und ich versuche mein Bestes, mehr geht nicht und damit muss ich einfach meinen Frieden machen.
    Jetzt wo Jolina in der schule ist haben wir nur noch PEp und Physio, mehr geht nicht, das Kind muss auch Kind bleiben und kein Vorzeigemensch mit DS werden, Durchschnitt ist doch auch okay 😉

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  2. Fühl Dich einfach mal gedrückt.
    Ich kenne Deine Sorgen und Gedanken ein bisschen und kann Dir sagen:
    Klar muss man überlegen und Möglichkeiten abwägen und so weiter. Aber entscheiden, das wirst Du auch (!) mit dem Herz und mit dem Bauch. Und dann wird es auch richtig sein. Für euch alle.

    Schlaf gut!
    Susanne

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  3. Hallo Simona,
    Ich kann dich so gut verstehen. Auch ich finde all diese Entscheidungen bezüglich Förderung unserer besonderen kinder nicht immer leicht. Aber meist ist es eine bauchentscheidung bei mir. Im Moment entscheide ich nach Dringlichkeit. Da hat die sprachentwicklung meines Sohnes zur zeit Vorrang.
    Zum Thema kita: mein kleiner geht in eine integrationskita (Berlin). Dort ist er mit 11 anderen „normalen“ Kindern zusammen und die haben 2 erzieher. Eine davon ist eine ausgebildete integrationserzieherin. Er hat demnach den I-Status,also integrationskind. Davon gibt es aber noch 2-3 Kinder in seiner gruppe,die in irgendeinem Bereich entwicklungsverzögert sind. Mir ist es persönlich lieber,er besucht eine kita,die Erfahrungen mit besonderen Kindern haben. Die kita von meinem grossen sohn z.b. hätte ich nicht als geeignet empfunden für den kleinen,weil er da vermutlich bei den altersgemischten Gruppen untergegangen wäre. Aber das war auch nur mein bauchgefühl…
    Das letzte mal habe ich eine pro/kontra-Liste bei der schulentscheidung meines grossen Sohnes gemacht. Bisher (jetzt ist er in der 3. Klasse) bin ich auch mit dieser Entscheidung zufrieden.
    Aber mich grault es schon vor der Schulsuche für den kleinen… in ca. 2 jahren….
    Ich wünsche dir ein gutes bauchgefühl!
    Ulrike

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