Kröte, Lesen, mutterliebe

Herz nach außen

Warum ich schreibe, werde ich gefragt. Warum ich so viel privates nach außen trage. Was ich mir davon verspreche, erhoffe.
Ja, warum mache ich das eigentlich?

Ich schreibe, denn das macht mich glücklich, erleichtert mich. Seit ich denken kann will ich schreiben. Am liebsten ein Buch, einen richtig dicken, fetten Wälzer. Seit ich denken kann schwirren mir ständig Geschichten im Kopf. Ich lese Romane seitdem ich 10 (?) bin. Ich lese in fast jeder freien Minute. Am liebsten spannend und gerne auch gruselig. Mein erstes Buch von Stephen King habe ich gelesen, da war ich 12. „Es“. Ich hab es seitdem noch ein paar Mal gelesen und es ist immer wieder spannend, denn je älter ich werde, umso unterschiedlicher ist mein Empfinden und natürlich auch das Verständnis beim Lesen.

Lesen und Schreiben, das ist ein riesiger Teil meines Lebens. Daher ist dieser Blog auch etwas wie ein lang gehegter Wunsch. Ich hatte schon mal einen Versuch gestartet, aber den quasi gleich wieder aufgegeben. Ich weiß nicht mal mehr die genaue Adresse. Dann wurde mein zweiter Sohn geboren. Wir erfuhren ca. 6 Monate später von seinem Extra Dings. Dann traf ich dieses Paar, das mir erzählte sie hätten gerade frisch ihr Kind wegen Trisomie 21 abgetrieben. Und seitdem schienen die Geschichten, Worte und Gedanken in meinem Kopf zu explodieren. Es gibt so viel zu sagen, über das Down Syndrom und diese dubiose Angst, die damit verbunden ist. Was ist denn so schlimm daran? Die Ungewissheit? Die Vorurteile? Die Ängste und Sorgen? Die Gesellschaft?
Wir leben nun seit gut einem Jahr mit der Diagnose, seit 1 Jahr und 9 Monaten mit diesem wunderbaren Kind. Das so anders sein soll. So wenig lebens- und liebenswert dass 9 von 10 Eltern ihr Kind im Bauch töten. Obwohl die Mutter schon dessen Bewegungen spüren kann. Obwohl auf dem Ultraschallbild ein fertiges kleines Menschlein zu sehen ist, mit schlagendem Herzen. Allein bei dem Gedanken daran will ich schreien, brüllen so laut ich kann: „Nein! Tu es nicht! Es ist ein Fehler!“
Das kann ich natürlich nicht machen. Also, eigentlich schon, aber ob es jemand hört, wo es auch was bedeutet? Etwas bewirkt? Außerdem ist mein Radius schon recht begrenzt. Auch wenn mein südländisches Temperament mir dabei hilft noch eins drauf zu legen. Es reicht einfach nicht. Also schreibe ich. Ich schreibe einen Blog und versuche damit viele Menschen zu erreichen. So viele wie ich kann. Ob direkt betroffen oder nicht, Hauptsache sie lesen, verstehen und tragen in die Welt: „Vor dem Down Syndrom braucht man keine Angst haben!“

Wenn man „Down Syndrom“ bei Google eingibt, dann liest man viele schlimme Dinge. Ich habe sehr nur wenige positive Suchergebnisse bekommen. Und das auch nur durch Zufall, intensiver, gezielter Suche oder durch Empfehlungen. Das muss sich ändern! Down Syndrom ist so vieles. Ich will unsere Seite des Lebens mit Down Syndrom zeigen. Unser Leben, unsere Liebe zum unserem Kind und seine Liebe. Zu uns, zum Leben! Unser Glück mit ihm, seinetwegen. Ich will den Weg zu positiven Treffern im Netz verbreitern. Damit man als Eltern, Verwandter, Freund eines Menschen mit Down Syndrom merkt: O. k. auch, wenn manches anders ist, ist es immer noch gut. Alles ist weiterhin möglich. Das Leben geht weiter und es wird ein schönes Leben bleiben und sein. Ich möchte auch nicht bedauert werden, denn das ist nicht nötig und ich empfinde es sogar als höchst unpassend. Dieses Kind ist ein Teil von mir, er ist besonders, wie alle Kinder es sind. Sein Leben ist ein großer Glücksfall, ein Wunder. Kein Versehen und auch keine Lücke in der Pränataldiagnostik.

Darum schreibe ich. Für mich. Für Kröte. Er ist mein Motor, er treibt mich an. Und für das Glück. Gegen Vorurteile. Gegen Angst. Aus Liebe. Aus meinem Herzen. Für einen Teil meines Herzens.

Weil ich einfach muss.

Lieblingskröte

7 thoughts on “Herz nach außen”

  1. Danke, dass Du schreibst und einen Teil Eures Lebens mit uns teilst!
    Ich erkenne vieles wieder, unser Sohn ist etwas als älter als Eure Kröte, wir lieben ihn auch über alles❤️Und er wickelt mit seinem Charme ALLE um seinen Finger😉
    Auch uns hat die Diagnose erstmal Angst gemacht und verunsichert, auch aus Mangel an Informationen. Dein Blog hilft sicher dabei Ängste abzubauen!
    Ich treffe demnächst eine Schwangere, die vor kurzem die Diagnose DS bekommen hat und ich hoffe ihr gemeinsam mit unserem Schatz zeigen zu können, wie schön das Leben mit einem Extra Chromosom ist!

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    1. Ich danke dir für deine lieben Worte!
      Ist die schwangere Frau noch unentschlossen? Ich bin sicher, ihr und besonders euer Sohn wird sie überzeugen können. Unsere Kinder haben einfach einen ganz besonderen Charme, dem keiner entkommen kann 😉
      Alles Gute für euch!

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  2. Ich bin erst jetzt auf deinen Blog gestoßen, danke das du euren Alltag teilst. Danke für deine Ehrlichkeit. Damit gibst du mit und Hoffnung weiter! Mach weiter! Solche Beiträge von deinem Blog sollten öfter bei Googlesuche erscheinen…. Alles Liebe 💕

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