Alltagsallerlei, Glücksmomente, mutterliebe, Normaler Wahnsinn

Stepford

Es gibt sie wohl wirklich, diese Frauen von Stepford, deren Kinder in sauberen Hochstühlen ordentlich mit Besteck essen. Ich höre und lese ständig von ihnen. Dauernd wird mir suggeriert, sie sind das zu erreichende Ziel: Adrett und freundlich lächelnd muss die Mutter von heute sein.

Diese Mütter, die schon morgens um 07:00 Uhr gut frisiert, ohne Augenringe und hübsch gekleidet ihr Kind im Kindergarten abgeben. Jungs in blau, Mädchen in rosa. Natürlich.

Diese Mütter, die mit ihren ebenfalls hübsch frisierten und in sauberen Klamotten steckenden Kindern Eis essen gehen. Ohne dass hinterher alles überall verschmiert ist.

Diese Mütter, deren Kinder lieb „bitte“ und „danke“ sagen und auch sofort aufs Wort hören, Kompromisse eingehen und nicht, niemals trotzen.

Diese Mütter, die immer gut organisiert und für alles gewappnet sind. Mit sauberen Häusern, gebügelter Wäsche und selbst gekochtem Essen.

Diese Mütter, die ihre Kinder in polierten Autos mit blitzsauberen Kindersitzen von einem Termin zum nächsten fahren. Ganz entspannt, denn Zeitpuffer sind eingeplant und auch ausreichend.

Diese Mütter, deren Pläne aufgehen und deren Wünsche sich erfüllen.

Und es gibt mich.

Die, die sich wirklich bemüht, aber deren Hochstühle für die Kinder, immer so aussehen, als ob sie mal dringend abgekärchert werden müssten.

Deren Kinder fröhlich mit den Händen essen und sich manchmal auch noch mit ihrem Essen bewerfen.

Ich, die wirklich bemüht ist, auf alles vorbereitet zu sein. Und dann doch das Wichtigste vergisst.

Ich, die Mutter, die den ganzen Tag in Jogginghose und Messy-Bun rumläuft, wenn sie keinen Termin hat. Und so schon oft den armen Postboten erschreckt hat.

Die Mutter, die versucht zwischen Job, Kindergarten, Einkauf, Spielbesuchen, Ehrenamt, Arzt- und Physioterminen die Balance zu halten – und oft ins Straucheln gerät.

Deren Kinder in ungebügelten Klamotten rumlaufen – sie tragen sie meiste eh nicht lang. Deren Söhne auch mal Zöpfe oder Nagellack tragen. (Nein, ich wünsche mir nicht heimlich ein Mädchen) Und deren Mann selbst zu Bügeln gelernt hat (*hihi)

Ich, die Mutter, die zum dritten Mal die Woche Nudeln kocht und den Fernseher auch mal als Babysitter nutzt.

Die Mutter, die in Engelszungen auf ihre Kinder einredet – oft ohne messbaren Erfolg. Die auch mal brüllt – laut. Ebenfalls ohne messbaren Erfolg.

Die Mutter, die sich fragt, was sie falsch macht. Offenbar hat jeder andere Mensch sein Leben im Griff. Ist erwachsen und perfekt organisiert. Nur nicht ich.

Ich, die das ganze Chaos um sich herum ansieht. Wehmütig an diese Stepford-Mütter denkt und gerne mehr wie sie wäre.

Doch, dann wäre ich nicht mehr ich. Und meistens finde ich mich ganz ok. Plötzlich höre ich ein glucksendes Lachen, weil der Flummi den Bruder am Kopf getroffen hat, der Getroffene erst  schreit und dann zurücklachend den Ball sucht.
Mein Herz macht einen Sprung vor Glück. Genau da. Mitten im lärmenden, voller ungebügelter Wäsche und mit Kekskrümeln übersäten Chaos. Mit Kindern, deren Kleidung man das Spielen im Gras und die Snacks zwischendurch ansieht. Mit Knete unter den Fingernägeln und Sand im Haar.

Und wisst ihr was, ihr Frauen von Stepford? Wir sind glücklich, sehr. Es gibt hier so viel Liebe. Trotz allem. Ich hoffe, ihr seid es auch! Glücklich und geliebt.

Happy

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