Kröte, Mukkel, mutterliebe

Du machst das toll!

„Du machst das toll!“ Über so ein Kompliment freut sich doch jeder, oder? Besonders, wenn andere Mütter die eigenen Mütterqualitäten loben. Das ist sehr nett! Doch… es passiert mir eigentlich erst seitdem Kröte auf der Welt ist.
Ich bin ja schon länger Mutter als es Kröte gibt. Doch während der ganzen Zeit mit Mukkel hat mir nie eine andere Mutter gesagt: „Du machst das gaaanz toll!“
Das heißt also was? Ich bin Kröte eine bessere Mutter als ich es Mukkel bin? Das wäre furchtbar, ich hoffe also nicht.
Ein auffälliger Punkt ist, dass dieses Lob nur von Menschen kommt, die von Krötes Extra-Dings wissen. Manchmal folgt sogar noch ein „Also, ich könnte das nicht.“
Schauen wir also mal genau hin: Dieses Lob ist nämlich in Wirklichkeit gar keines. Es ist eher Mitleid oder eine Art Beileidsbekundung. Diese arme Mutter mit ihrem behinderten Kind. Sie ist so tapfer. Sie erträgt ihr Schicksal so toll. Also, ich könnte das nicht!

Ich brauche kein Mitleid! Ich muss nicht bedauert werden! Diese Sätze, egal wie gut gemeint sie sind, machen mich sauer! Ich fühle mein Kind dadurch abgewertet.

Ich habe zwei wundervolle, einzigartige Söhne. Ich liebe beide abgöttisch. Sie sind gesund, frech, wild und liebenswert. Einer von ihnen hat ein Chromosom mehr. Na und? Muss deshalb ein Mitleidsblick aufgesetzt werden? Bin ich in irgendeiner Form benachteiligt? Ist mein Kind nicht gut genug? Wenn jemand so über mein Kind denkt (egal welches!) empfinde ich es als unverschämt und frech!
Ja, ich gehe mit Kröte zur Physiotherapie anstelle zum Kinderturnen. Und? Qualifiziert mich das zu etwas? Oder disqualifiziert es mich etwa sogar? Passt mein Leben, meine Familie nicht in die heile, perfekte Welt?

Schaut mal lieber auf euch selbst herab. Ist hinter euren Fassaden alles gut? Wart ihr mit euren Kindern nicht vielleicht auch schon zu einer Therapie? Physiotherapie, Psychotherapie, Logopädie, Traumatologie? Oder ist es was anderes weil ihr keine gesicherte Diagnose wie Down Syndrom habt?

Kröte hat Down Syndrom. Das ist kein Grund zur Panik! Auch ein betretenes weggucken, wenn ich das Thema anspreche ist nicht angebracht.
Ja, Down Syndrom wird als der medizinische Super-GAU verkauft. Down Syndrom ist es aber nicht! Glaubt lieber mir, einer Mutter die es weiß. Down Syndrom ist Wärme, Gemütlichkeit, Vertrauen, Hoffnung und Liebe. Down Syndrom ist nichts bedauernswertes, nichts tragisches und kein Grund zum sterben.

Ich tue für meine Kinder (beide!) alles, was in meiner Möglichkeit steht. Mein Ziel ist es, sie zu glücklichen, freundlichen, selbstbewussten Männern zu erziehen, die Freude am Leben und an ihrer Selbstständigkeit haben.

Ich habe nicht nur ein besonderes Kind. Ich habe zwei! Ich trage keine große Last, leiste nichts übermenschliches. Ich nehme meine Kinder wie sie sind und unterstütze sie so gut ich kann.

Ach, das tut und wünscht ihr auch? Na dann… könnt ihr es ja doch!

Lob nehme ich gerne an. Es freut mich und macht mich manchmal, ganz heimlich, etwas stolz. Aber bitte meint eure Worte so, wie ihr sie sagt. Versteckt nicht irgendwelche Botschaften darin. Das kann ich nicht ausstehen. Fragt mich, was immer ihr wissen wollt. Ich will euch so ehrlich antworten wie ich kann. Wenn ihr nicht wisst, wie ihr reagieren sollt, dann zeigt es mir! Wir finden einen offenen, entspannten Weg. Denn ich kann nicht erkennen, ob es Unsicherheit oder eine gewollte Abwertung ist.

Hoffentlich lest ihr hier mit. Und versteht. Ich bin eine Mutter, die ihre Kinder liebt. Und jeden Abend danke ich dem lieben Gott für meine Kinder und habe das Gefühl, dass alles genau so ist, wie es sein soll.

 

Meine Babys

9 thoughts on “Du machst das toll!”

  1. Liebe simona,
    Hoffentlich kann ich mich recht kurz fassen,weil mir beim Lesen deines Posts sehr viel durch den Kopf ging.
    nun bin ich auch eine Mutter mit zwei söhnen,der grosse ohne DS und der kleine mit DS. Du hast recht,vor der Geburt meines 2. Sohnes hat mir auch keiner gesagt,dass ich es toll mache. Seit der kleine auf der Welt ist, habe ich sowas auch schon gehört. Aber ich fasse es immer noch als Kompliment auf. Aber nur,wenn es von jemanden kommt,der unseren alltag näher kennt. Weil sonst ist es nur daher gesagt.
    Ich denke nicht,dass dieser Satz ,als Abwertung deines Sohnes verstanden werden kann.
    Bitte bedenke,die meisten Menschen wissen so wenig über das down syndrom. Und das es leichte formen (wie z.b. bei euch) und schwere formen mit gesundheitlichen Einschränkungen geben kann. Sie wissen vermutlich nicht,dass sich euer Alltag vermutlich nicht großartig von denen unterscheidet. Sie sehen eine Mutter,die die Diagnose Down Syndrom so gut angenommen hat und ihr Kind weiterhin über alles liebt und ihn so angenommen hat,wie er ist. Das strahlst du wahrscheinlich aus.
    Ich glaube Mitleid entsteht,wenn der zu bemitleidene auch so aussieht,als müsste man ihn bemitleiden. Und das tust du nicht. Davon gehe ich mal aus,auch wenn ich dich nicht persönlich kenne.
    Übrigens: du machst das toll mit deinem blog! 😉 und das ist ehrlich gemeint.
    liebe grüsse aus berlin,
    Ulrike

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    1. Liebe Ulrike,
      sicher meinen es auch einige so wie sie es sagen. Zu diesem Post haben mich aber Menschen bewegt, die mir dieses „Kompliment“ durch Dritte machen. Also in etwa so: Ich habe XY getroffen und der/die findet, du machst das so toll!“ Diese Menschen kenne ich meist nicht besonders gut und sie kennen Kröte oft gar nicht oder haben ihn vielleicht mal im Buggy gesehen oder so. Es besteht häufig auch kein weiteres Interesse an uns und unserem Alltag. Da bin halt ich mit meinem DS Kind, da kann man ja mal ne Runde Mitleid ausgeben. Und das nervt mich so sehr!

      Vielen herzlichen Dank für dein liebes Lob! Ich freue mich immer von dir zu lesen 🙂
      Bis bald,
      liebe Grüße nach Berlin
      Simona

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      1. Ah,ich verstehe. Das ist dann wirklich kein kompliment. Vermutlich handeln diese Menschen ganz nach dem motto: „Das Leid anderer Leute macht das eigene Leben erträglicher!“.
        Nicht ärgern lassen.
        dir noch einen sonnigen tag.
        ulrike

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  2. Ich kann verstehen was Du meinst, schliesse mich aber Ulrike an, dass solche Aussagen auch als Kompliment aufgefasst werden können. Kommt wohl immer auf den Kontext und die Person an, die es sagt😉
    Zwei sehr gut Freundinnen von mir waren fast zeitgleich mit mir schwanger, bei einer ist alles normal verlaufen, die andere hat ihr Baby kurz nach einer Frühgeburt verloren 😢und mein Schatz musste sich richtig ins Leben kämpfen… beide haben mir zu ganz unterschiedlichen Zeitpunkten und und unabhängig voneinander gesagt, dass sie finden, dass ich eine tolle Mama für meinen Sohn bin und dass sie meine Stärke und meinen Einsatz für ihn anerkennen! Da schwang aber auch kein „ich könnte das nicht“ mit, ich weiss beide würden das genau so für ihre Kinder machen. Ich hab mich sehr darüber gefreut, das gesagt zu bekommen😊
    Liebe Grüsse!

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  3. Ich glaube du kannst da ganz auf dein Bauchgefühl vertrauen… Ich glaube man erkennt ganz gut ob Menschen ihre Worte erst meinen oder eben nicht. Das was ernst gemeint ist:nehme als Kompliment und das andere nehme (einfach) nicht erst… Obwohl das auch nicht immer geht… Das verstehe ich… Geht mir auch nicht anderes…

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  4. Ich verstehe dich absolut. Meine Tochter hat einen komplexen, angeborenen Herzfehler und viele Menschen, die ich neu kennen lerne und ihnen davon erzähle, sind mit der Information überfordert und wissen nicht wirklich, was sie sagen sollen und sagen dann aus Verlegenheit irgendwas. Allerdings habe ich auch schon wirklich warmherzige und „echte“ Reaktionen erfahren.

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