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Begegnungen

Neulich waren die Jungs und ich mit meiner Mutter in einem Cafe zum Frühstücken. Am Nebentisch saß eine ältere Frau, die lächelnd unsere Jungs beim Kakao trinken und Brötchen krümeln beobachtete. Irgendwann quatschte Mukkel sie an: „Hast du auch Kinder?“
Die Frau lächelte noch breiter und antwortete: „Ich habe sogar schon Enkel, die viel älter sind als du es bist.“
Mukkel gab sich zufrieden und trank weiter seinen Kakao.

Nach einem weiteren Moment sprach die alte Frau zu mir:  „Man muss immer dankbar sein, wenn man so gesunde Kinder hat.“
Ich nickte ihr zustimmend zu.
„Wissen Sie,“ fuhr sie fort „damals, ich hab auch zwei Söhne, auch so wilde Dinger wie Ihre. Also, damals, als meine Jungen ungefähr so alt waren wie Ihre, da hatte ich eine Nachbarin, die hatte ein behindertes Kind.“
„Hmmm…“ machte ich. Ich war irgendwie noch nicht bereit ihr zu sagen, dass ich auch so eine Mutter bin.
„Waren harte Zeiten damals. Es war schwer behindert. Konnte nicht laufen und nicht sprechen. Die hat ihr Kind aber nie versteckt. Hat es immer die Straße rauf und runter geschoben. An unserer Wohnung vorbei. Die hat ihr Kind geliebt, so geliebt. Das konnte man sehen, wissen Sie? Wir habe nie gesprochen, uns nur zugenickt wenn wir uns irgendwo begegnet sind. Irgendwann sind sie dann weg. Ich frag mich oft, was aus ihnen wurde.“
Ich war gerührt davon, dass diese fremde Frau mir ihr Herz öffnete und wusst nicht so recht was ich sagen sollte.
„Seien Sie dankbar für ihre tollen Kinder und passen sie gut auf sich alle auf“, sagte sie dann noch im aufstehen und verließ, mit dem typisch gebeugten Gang alter Leute, das Cafe.

Ich habe schon oft gehört, dass diese „sabbeligen Alten“ nerven. Dies kann ich so gar nicht teilen. Mir gefällt es sehr wenn mir „echte Geschichten“ erzählt werden. Und diese Erzählung hat mich doppelt gerührt.  Zum einen, weil meine Söhne und ich diese Frau an sich selbst vor vielen Jahren erinnert haben. Und das so sehr, dass sie mir, einer wildfremden Person, etwas so persönliches erzählt hat. Offenbar ist diese andere Mutter und ihr Kind ja noch immer so sehr präsent, dass sie die Erinnerung an die Beiden ganz deutlich vor Augen hat.
Zum anderen bin ich auch irgendwie diese andere Mutter. Ich stimme der alten Dame im Cafe zu und bin sehr dankbar für die Gesundheit meiner Kinder. Aber dennoch bin ich auch die Mutter eines behinderten Kindes. Selbst wenn es eine für sie nicht so offensichtliche Behinderung ist. Und während mir diese Geschichte erzählt wurde, fühlte ich mich mit diesen beiden Frauen, deren Wege sich vor sicherlich mindestens 50 Jahren, eher wohl 60 Jahren kreuzten, verbunden.
Gefühlsduselig? Vielleicht. Trotzdem fühlt es sich so an. Und diese Mütter, die eine kenne ich nur ein paar Minuten, die andere ist gänzlich fremd, haben jetzt auch einen Platz in mir. Ich kann nicht genau sagen was es ist, aber diese Geschichte hat etwas in mir berührt und ist jetzt auch ein Teil von mir. Für immer vielleicht.

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