Gedankenkarussell, Kröte, Mukkel, mutterliebe, Normaler Wahnsinn

Schmaler Grad

Vor ein paar Tagen gab es einen Mini-Eklat der mich nun zu diesem Beitrag inspiriert. Doktorspiele. Kennt ihr? für die Kinder scheinbar total normal und vor allem spannend. Für Erwachsene vielleicht etwas peinlich und schwer einzuordnen.
Seitdem die Jungs einen Arztkoffer haben, spielen sie sehr viel damit. Dieses Ding ist total faszinierend für sie. So kam es dann eines Tages, dass Mukkel sich mit einem Freund in sein Zimmer verkrümelte und die Geschwister und wir Mütter weiter draußen im Garten saßen. Nach einer ruhigen Weile, einer sehr (!) ruhigen Weile, bin ich mal gucken gegangen. Die beiden Jungs hatten Mukkels Zimmer auf links gedreht aber spielten vertieft und sehr harmonisch mit einer Parkgarage nebst Straße und Autos. Alles gut also. Nachdem wir Mütter noch ein bisschen erzählt haben und die beiden kleineren Geschwister genug von Trampolin und Sandkasten hatten, verabschiedeten wir uns.
Da es auch schon recht spät geworden war begann ich gleich das Abendessen vorzubereiten. Ca. 10 Minuten später klopfte es an der Terrassentür und ich entdeckte die befreundete Mutter von gerade eben dort stehen. Ungefähr folgender Dialolg entstand:

„Ich woIlte dir nur kurz sagen, was die Jungs oben gemacht haben! Die haben sich operiert und zwar am Schnippie!“

„Ok…?“

„Das hat E. mir gerade erzählt, das wollte ich dir auch noch mal schnell sagen!“

„Äh, ja, danke…“

In dem Moment kam der Mann nach Hause. Ich drehte mich um und sagte: „Die Jungs haben Doktor gespielt und sich auch an den Schnippies operiert.“  Ein Grinsen versuchte ich zu unterdrücken, meinem Mann gelang das nicht so ganz.

„Ja, ich werde das zu Hause auch gleich besprechen!“

„Hmm, so schlimm finde ich das gar nicht…“ sagte ich noch, aber da verabschiedeten wir uns auch schon gleich.

Natürlich hab ich auch gleich Mukkel angesprochen und er gab es auch ohne Umwege zu. „Alles was deine Unterhose bedeckt ist privat, du musst dir überlegen, wem du das zeigst und ob du das willst. Ok?“

„Ja, Mama.“

„Alles klar, jetzt gibts Essen.“

Mir ließ es aber irgendwie keine Ruhe, dass ich so unbeeindruckt davon war, während dieses andere Mutter, die ich sehr mag und wir sonst fast ausnahmslos einer Meinung sind, regelrecht beunruhigt war. Bin ich zu ruhig? Ich habe schon häufiger gehört, dass ich so „tiefenentspannt“ wäre. Finde ich eigentlich nicht so. Es ist mir zwar egal, ob die Jungs sich beim Spielen von Kopf bis Fuß einsauen oder nass machen. Im besten Fall habe ich Wechselklamotten mit, sonst müssen wir halt nach Hause falls es zu kühl ist. Wichtig ist mir, dass sie Spaß haben und frei spielen können. Wenn sie klettern habe ich sie im  Auge und bin auch startklar um hin zu laufen. Aber ich will nicht als doppelter Boden immer direkt hinter ihnen sein. Sie sollen Vertrauen in ihre Fähigkeiten finden, wissen was sie alleine können.
Wenn der Mukkel nach jedem Bissen erst einmal um den Tisch laufen muss, weil er nicht still sitzen kann nervt es zwar, aber ich lasse ihn. Denn wenn ich es verbiete streiten wir uns nur und er wird NICHT essen. So ist er immerhin am Ende satt.

Aber, es ist ja ein schmaler Grad zwischen entspannter Mutter und Rabenmutter.  Hin und wieder habe ich das Gefühl, dass schon so manche Mutter mich als Rabenmutter sieht. Da regnet es und das Kind springt ohne Regenhose im fremden Garten auf dem Trampolin. Promt kommt die Frage: „Bist du eigentlich immer so entspannt?“
Also, ich hatte da zwar Wechselklamotten mit, leider keine Regenhose. Kröte hatte so viel Spaß. Sollte ich ihn da wirklich unter Geschrei runter holen und ihm das Toben auf dem nassen Trampolin verbieten? Außerdem sah er echt süß aus, so nass und verstrubbelt und mit diesem Grinsen im Gesicht. Klar, er hätte sich erkälten können, hat er aber nicht!
Und zu meinem großen Glück muss ich die Wäsche nicht selbst waschen, das macht meine Waschmaschine.

Trotzdem, ich will ungern den Eindruck hinterlassen, dass ich mich nicht um meine Kinder sorge. Oder nur ihr Bestes will. Oder sie unterstütze wo ich kann. Ich vertraue meinen Kindern und ihren Fähigkeiten. Ich weiß, dass sie zwar oft genug Blödsinn machen, aber nie mit böser Absicht.

Entspannt ja. Gleichgültig nein. Ich würde mich als gelassene Glucke beschreiben. Die Jungs immer im Blick aber nicht immer an der Hand.

Und obige Mutter und ich haben uns später nochmal über WhatsApp unterhalten. Von ihr selbst kam dann, dass sie wohl überreagiert hatte und die Jungs ja nichts getan haben, was einem von ihnen unangenehm gewesen wäre.

Wie denkt ihr darüber?

Tiefenentspanntes Katzenjoga

2 thoughts on “Schmaler Grad”

  1. Ich finde es toll,wie entspannt du bist. Ich wünschte ich könnte es auch sein. Da ich mir dessen bewusst bin,schaffe ich es auch manchmal,die kinder einfach machen zu lassen. Egal,ob die Klamotten nass oder dreckig werden.
    Mein Mann ist da leider nicht so locker. Er reagiert fast panisch,wenn nur ein Körnchen Sand im Haus zu finden ist… Also versuche ich gegenzusteuern und die kinder Kinder sein zu lassen. Mit Matsch spielen,Wasser spritzen oder auch beim kleckern ein Auge zuzudrücken.
    Ich denke von ‚rabenmutter‘ bist du weit entfernt!
    Viele grüsse
    Ulrike

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    1. Liebe Ulrike,
      Danke für deine lieben Worte! Mein Mann findet das Matschen, besonders mit Essen, auch schrecklich. Das ist auch ok, jeder hat seine Grenzen, die er auch einhalten soll.
      Irgendwann müssen meine Kinder sich auch benehmen können. Mal schaun, wie und wann ich die Kurve dahin kriege…
      Viele liebe Grüße zurück
      Simona

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