Buchempfehlung, Lesen

Leseempfehlung!

Gleich vorab: Ich habe das Buch zufällig entdeckt und von meinem  eigenem Geld gekauft. Ich empfehle dieses Buch einfach, weil es mich sehr bewegt hat und mir auch der Schreibstil sehr gefällt.

Irgendwo im Internet sah ich den Buchtitel, und der hatte es schon in sich:

Das ganze Kind hat so viele Fehler

Ich wollte das Buch unbedingt lesen! Vielleicht kennt ihr das, manchmal funkt es schon beim Buchtitel, noch bevor man auch nur die Zusammenfassung gelesen hat.
Ich lief also am selben Tag noch in die Stadt, denn selbst die Prime-Lieferung von Amazon war mir nicht schnell genug.

Ich habe in zwei Buchhandlungen gefragt und bei beiden Verkäuferinnen konnte ich eine ähnliche Reaktion auf den Titel feststellen wie bei mir. Die Augen weiteten sich leicht und dann ein verhaltenes, irritiertes Auflachen. Die zweite Buchhändlerin las die Inhaltsangabe noch während ich wartend daneben stand um dann, sichtlich bewegt, von ihrem Sohn zu erzählen.

Das Buch handelt von einer Mutter, 39 Jahre alt, endlich schwanger mit dem Wunschkind und dem gefürchteten Satz ihrer Frauenärztin: „Ich habe leider kein komplett unauffälliges Ergebnis für Sie“.

Sandra Schulz, die Autorin, erzählt schonungslos offen von der Zeit ihrer komplizierten Schwangerschaft, der Sorgen, Ängste, Hoffnungen und der Qual der Entscheidung für oder gegen ihr Baby.

Schicksalsbücher, Lebensbeichten, sowas lese ich eigentlich gar nicht gerne. Aber hier musste ich mich fast die ganze Zeit beherrschen, nicht einfach ein paar Seiten zu überblättern. So dringend wollte ich wissen wie es weiter geht. Behält sie ihr Kind? Kommen zu der Diagnose Trisomie 21 noch weitere dazu? Wie hoch und einflussreich ist der Druck von außen? Hält die Ehe der Beiden das alles aus?

Das ganze Kind hat so viele Fehler

Ihr seht, wie viele Notizzettel ich in dieses Buch geklebt habe. Ich will mindestens diese Stellen nochmal lesen. In Ruhe ohne diese Hektik, geschuldet der Anspannung wie die nächste Entscheidung lautet und ob es auch die letzte, entgütige Entscheidung ist.

Während des Lesens war ich gefesselt, habe heimlich gelacht, war gerührt, oft auch zu Tränen. In diesem Buch steckt die Frage, ob ein Abbruch wirklich die Mutter vor einer „schwerwiegenden Beeinträchtigung des körperlichen oder seelischen Gesundheitszustandes“ bewahrt. In diesem Buch stecken so viele Gefühle. Es fallen Sätze wie: „Gestern, gegen 17:00 Uhr habe ich den Tod meiner Tochter abgesagt. (…)  Ich wollte nicht, dass mein Kind blutiger Abfall ist und unten die Menschen Weihnachtsgeschenke einkaufen.“
Und Sätze wie: „…der Intelligenzquotient von Down-Kindern möge vielleicht bei 70 liegen, ihr Quotient für emotionale Intelligenz sei aber bei 150.“
Einige Seiten später steht dann dort: „…wäre es nicht besser, man würde so lange warten, bis ein Fetozid nötig wäre? Würde sie dann nicht weniger leiden?“ – „So einfach ist das nicht“, sagt der Arzt, „manchmal weicht das Kind der Nadel aus.“

Ein Buch, dass fragt: „Was soll die ganze Pränataldiagnostik? Sie schafft Wissen, das nicht schlauer macht.“

Unbegingt lesen, wenn ihr wissen wollt ob Sandras Wunschkind, das zur „halben Sache“ wird, wieder zum Wunschkind wird. Ob es die Schwangerschaft überlebt oder nicht.

3 thoughts on “Leseempfehlung!”

  1. Das Buch liegt hier auch schon ganz oben auf dem Stapel. Ich musste es auch sofort kaufen als ich davon gelesen habe und habe schon ein bisschen quer gelesen, aber dann immer wieder aufgehört, weil mir viele Dinge sehr bekannt vorkamen und ziemlich nah gegangen sind…
    Jetzt nach Deiner Rezension bin ich aber umso motivierter es bald von vorne bis hinten durchzulesen🙂

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