Gedankenkarussell, Mukkel, mutterliebe

Manieren

Ich war mit dem Mukkel schwimmen. Während ich am Beckenrand saß und ihm beim Spielen und Toben im Wasser zusah erinnerte ich mich an ein Erlebnis von vor gut 2 Jahren.

Damals war ich auch mit dem Mukkel im Schwimmbad, es war sehr laut und voll und er war nach einer guten Stunde Drängelei im Wasser sehr müde und geschafft. Dazu muss ich sagen, dass Mukkel wenn er müde und/oder hungrig ist sehr ungnädig wird. Trotzanfälle und Weinerlichsein wechseln sich manchmal minütlich ab.
Wir waren dabei in der viel zu vollen Dusche zu duschen um uns danach anzuziehen und endlich nach Hause zu fahren. Die Nerven lagen blank bei uns beiden. Als wir fertig waren und Mukkel aus der Dusche wollte stand ein älterer Junge vor ihm. Mukkel schubste ihn zu Seite und ging mit genervten Schritten Richtung Umkleide. Ich raffte unser Zeug zusammen, sagte zu dem Kind „Es tut mir leid!“ und lief meinem Sohn hinterher.  Gesagt hab ich zu Mukkel nichts, in der Situation hätte es eh nichts gebracht. Das er nicht schubsen darf, wusste er auch schon mit knapp 2 Jahren sehr genau. Allerdings glaube ich, dass in diesem Fall der Schubser hieß: „Ich will da durch, geh zur Seite!“ Er war einfach nur überfordert von der ganzen Situation und das fremde Kind stand mitten im Weg.
Minuten später in der Umkeidekabine nebenan hörte ich dann eine Frau, die sich fürchterlich bei ihrem Mann über ein Kind beschwerte, dass ihren Sohn geschubst hat. Nicht mal entschuldigen müsste er sich! Das hat die Mutter übernommen. Ein 2-jähriger wäre aber wohl doch so weit es selbst zu tun! Und so weiter und so fort…
Ich hab damals lange darüber nachgedacht. Und als ich jetzt, am Beckenrand sitzend, meinen Sohn beobachte, wie er Rücksicht nimmt auf die anderen Kinder, als er mit einem Becher beworfen wird „Hör auf!“ ruft und ihn zurück gibt, bin ich stolz auf mein Kind. Und noch immer der Meinung von damals.
Es wsr richtig, dass ich ihn nicht zum entschuldigen angehalten habe. Er hätte sehr sicher auch gar nicht verstanden warum und weswegen. Von der unnötigen Erzeugung einer weiteren stressigen Situation für alle mal abgesehen. Er war vom Spielen im Wasser so müde, genervt und hungrig oben drein, dass er keinen klaren Gedanken mehr fassen konnte.  Außerdem war er 2. 2! Können 2-jährige in solchen Situationen wirklich klar genug sehen und ernsthaft um Entschuldigung bitten? Ich glaube das nicht. Meine Worte waren allerdings ehrlich, es tat mir leid, weil ich diese Situation hätte voraussehen müssen. Schließlich kenne ich mein Kind, war selber von diesen vielen Menschen, der Lautstärke und der Enge an der Grenze der Belastbarkeit.
Diese Mutter hat nicht gesehen, wie sehr sich Mukkel auf den Tag im Hallenbad gefreut hatte. Sie hat nicht gesehen, wie oft er seinen Platz und Spielzeug gegenüber anderen Kindern verteidigen musste. Wie sehr er in seinen Bewegungen eingeschränkt war. Sie hat seine Enttäuschung nicht gesehen, als ich sagte wir würden jetzt abbrechen und nach Hause fahren.
Sie hat nur ein Kind gesehen, dass ihres schubste.
Selbstgerecht hat sie dann in der Kabine ihrem Mann von diesem Bengel erzählt und der Unfähigkeit der Mutter ihrem Kind Manieren beizubringen.

‚Bitte‘, ‚Danke‘, ‚Es tut mir leid sind‘ für mich Worte, die nur etwas bedeuten, wenn sie ernst gemeint sind.
Außerdem kann ich mich nicht entschuldigen. Ich kann um Entschuldigung bitten, entschuldigen kann mich aber nur der Andere.

Übrigens sagt der Mukkel mittlerweile wenn es  ihm leid tut. Und auch Bitte und Danke. Wenn er es so meint und er es sagen will. Nicht weil es sich so gehört.
Was denkt ihr darüber?

5 thoughts on “Manieren”

  1. Das versuche ich gerade meinem Freund begreiflich zu machen.🙈
    Bei meiner restlichen Familie brauch ich damit aber nicht anfangen.
    Da wird das Kind auf „bitte“ und „danke“ etc dressiert.

    Ich hab selbst gemerkt dass ich es immer seltener im Alltag oder zuhause gesagt hab; wieso sollten meine Kinder es denn danb🤔🙈
    Ich muss mit gutem Beispiel voran gehen. Und dann ist es auch für sie was selbstverständliches.

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  2. Es braucht viel mehr Mut um sein Kind mit Ehrlichkeit,
    statt durch Etikette zu erziehen.
    Das ist irgendwie Zweckbefriedigung.
    Ihnen beizubringen was man in welcher Situation zu sagen hätte,
    um sich möglichst schnell semantisch
    und ohne weiteres Gefühl wieder davon zu befreien.

    Seinen Kindern ein Warum zu geben,
    ist wesentlich anspruchsvoller als ihnen Berührungsregeln beizubringen.
    Vor allem weil man dann sehr oft selbst sagen muss,
    „Ich weiß es nicht“ statt alles auf fertigen Bahnen zu lenken.

    Aber vielleicht sind Kinder nur dann frei,
    wenn wir ihre Freiheit selbst respektieren und schätzen.
    Sie nicht darauf schulen unseren Erwartungen zu entsprechen,
    sondern sich selbst zu ergründen.

    Gefällt 1 Person

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