Kröte, Kur, Kurtagebuch, Mukkel, mutterliebe

Schweres Mutterherz

27.11.
Die Nacht war endlich wieder viel besser! Ich hatte mir den Wecker auf 06:00 Uhr gestellt, Kröte brummte mich kurz nach 05:00 Uhr wach. Er konnte aber mit Schnuller und Rückenkraulen noch eine Stunde weiterschlafen.
Der Speisesaal war heute früh extrem voll. Kein freier Tisch! Wir quetschten uns zu anderen.
Nach dem Frühstück haben wir schnell Sachen gepackt und sind dann in die Mukkel-Gruppe. Er fühlt sich wohl und geht gerne hin.
Dann sind Kröte und ich in seine Gruppe. Dort wurden wir erstmal wieder zurück geschickt um einen Zettel vom Arzt zu holen, eine „Gesundschreibung“.
Wieder zurück hat Kröte hat gleich gespielt, sich aber immer mit verstohlenen Blicken versichert, dass ich noch da bin. Die Erzieher haben sich leider wenig gekümmert. Als gesungen wurde, war Kröte einer der wenigen die mitmachten. Auch da kam von den Erzieherinnen leider keine Reaktion auf die Kinder. Nach einer Obstpause wollte ich mich verabschieden. Keine der beiden Erzieherinnen kam auf uns zu um Kröte zu übernehmen, er klammerte sich an mir fest. Also blieb ich nochmal ein paar Minuten. Danach war etwas Gewusel, das hab ich genutzt und hab mich schnell mit einem Kuss verabschiedet. Beim rausgehen höre ich ihn weinen. Ich hoffe er wurde getröstet. Herz würde dieser Gruppe helfen.

Für mich gab es nun Rückenschule. Viel Theorie in der ersten Stunde, aber gefallen hat es mir gut.  Mukkel isst mit seiner Gruppe gemeinsam, also brauche ich nur Kröte zum Mittagessen abholen. Als er wieder gut isst, freue ich mich.
Am Nachmittag steht Mutter-Kind-Schwimmen mit Mukkel auf dem Programm.
Kröte ist nicht glücklich über seinen erneuten Aufenthalt in der Gruppe. Ich gebe mein Bestes um die Zeit dort so kurz wie möglich zu halten.
Das Schwimmen macht Mukkel und mir viel Spaß, er ist im Wasser eine richtige Rampensau.
Die 30 Minuten verfliegen im Nu und schon sind wir wieder unterwegs um Kröte zu holen. Er ist leider sehr traurig und schluchzt laut auf als er uns sieht.  Ich fühle einen Stich. Dort, wo das schlechte Gewissen sitzt.

Morgen um 08:00 Uhr beginnt der Tag mit Joggen. Ich freue mich, obwohl ich Angst vor dem Abgeben von Kröte habe.

28.11.
Die Nacht war wieder sehr schlecht. Mukkel hat sich gegen Mitternacht übergeben. Es grassiert Magen-Darm im Haus und ich wälze mich die restliche Nacht hin und her ob ich am Morgen gleich zum Arzt muss oder ob Mukkel vielleicht nur sein Mittagessen nicht vertragen hat.
Es gibt hier täglich nur ein Gericht für Kinder. Die Alternative zum Kids-Menü ist ein vegetarisches Gericht, dass aber nur Erwachsene wählen dürfen.
Außerdem sind die Betten unbequem und sooo schmal. Kröte verarbeitet den Tag sehr intensiv mit vielen Geräuschen und damit, sich extrem herum zu werfen. Ich liege also wach.
Immer wieder fühle ich bei Mukkel ob er Fieber hat. Hat er nicht. Er schläft wie ein süßer kleiner Stein (der viel Platz wegnimmt).

Ich nehme mir viel Zeit um Bad und trödle vor mich hin. Versuche mich abzulenken, da ich schon nervös  bin wegen Krötes Abgabe in die Gruppe. Das macht mir wirklich Magenschmerzen. Nie habe ich meine Kinder Weinen lassen und nun muss ich ihn gegen seinen Willen so Hau-Ruck an einem Ort lassen, den er nicht mag.
Ich habe leider keine Wahl und überlege mir, was ich für Möglichkeiten habe um es für uns alle leichter zu machen.
Bald sind auch die Kids wach, wir alle angezogen und beim Frühstück. Die Gruppen öffnen um 07:45 Uhr, um 08:00 Uhr beginnt mein Kurs.
Mukkel lässt sich wie immer gut abgeben, Kröte weint. Mit einem Stein im Magen laufe ich durchs Gebäude zum Treffen der Jogging-Gruppe. Ich bin keine Minute zu früh da, wir laufen sofort los.
Erst bin ich noch verkrampft, weiß nicht wo lang oder wie weit es geht. Ich laufe einfach. Und merke wie ich langsam entspanne. Es ist sehr kalt, doch ich friere nicht. Ich bewundere die schönen Strandhäuser an der Promenade und überlege, welches uns am besten gefallen würde. Die Gruppe biegt auf die Seebrücke ab und wir laufen aufs Meer hinaus. Wow! Wunderschön!
Auf dem Rückweg bin ich endlich gut eingelaufen und bin, an der Klinik angekommen schon etwas stolz. Gute 5 Kilometer in 32 Minuten. Nach über einem Jahr Laufpause gar nicht so schlecht. Wir dehnen uns in der Eingangshalle und laufen dann in unsere Zimmer. Die Dusche tut gut.
Ich habe gleich mein erstes Einzelgespröch mit einer Psychologin. Ich bin gespannt was mich erwartet. Gibt es dort die berühmte Couch?
Im Wartebereich lese ich noch etwas in meinem aktuellen Buch – dazu lohnt sich ein eigener Blogpost, es ist so ein tolles Buch!
Als ich aufschaue, sehe ich Krötes Gruppe in 2 Wagen am Fenster vorbei schieben. Ich laufe schnell hin und suche nach meinem Kind. Er sitzt zwischen den anderen Kindern und schaut sich um. Nicht lachend, aber immerhin auch nicht weinend.
Irgendwie bin ich jetzt sehr aufgewühlt. Die Entspannung von der Lauferei ist wie weggeblasen. Das ist dann auch mein Thema in dem Einzelgespräch – mein Kind und seine Betreuung.
Morgen früh lasse ich meine Terminplanung ändern – nachmittags möchte ich die Kinder nicht mehr erneut abgeben müssen. Ich bin ein Stück weit erleichtert.
Mittagessen – Kröte ist nach mir zurück und ich habe ein ganz gutes Gefühl, er ist nicht so böse mit mir wie die letzten Tage.

Als ich in unserem Zimmer ein Auto unter Mukkels Bett herausfische, stelle ich fest, dass es ein ausziehbares Bett ist! Juhuuu!

29.11.
Ab ca 01:00 Uhr schmeißt Kröte sich heftig rum und weint weil er sich dabei stößt. Bin ich froh als endlich der Wecker klingelt. Und müde. Mukkel wacht schlecht gelaunt auf und ist entsprechend motzig. Kröte weint beim anziehen. Ich hab schon jetzt keine Lust mehr auf den Tag.
Wir frühstücken um kurz nach 07:00 Uhr. Danach bringen wir erst Kröte in seine Gruppe, er weint wieder, dann Mukkel, er spielt gleich darauf los.
Ich gehe ins Büro der Verwaltung und lasse alle Termine außer den Einzelterminen mit den Kids streichen. So haben wir nachmittags etwas mehr Luft.
Nach meinen Terminen warte ich auf Kröte, der gerade vom täglichen Strandspaziergang kommt. Rosige Wangen und kalte Hände. Und ein kleines Lächeln als er mich sieht.

Ich stelle mal wieder fest: bei den Mahlzeiten hier ist der Zimmerschlüssel das Äquivalent zum Handtuch am Strand von Malle. Wir finden zum Glück trotzdem einen freien Tisch.
Kröte isst gut zum Mittag und lacht endlich wieder viel. Er ist, zumindest tagsüber, fast wieder der Alte. Zum Glück. Ich bin erleichtert.
Wir holen Mukkel ab, er hat sich ein tolles Armband gebastelt, und ich stecke beide Kinder ins Bett. Ich selbst lese noch weiter in dem spannenden Buch und nicke auch kurz ein.
Nachmittags habe ich Mutter-Kind-Turnen mit Kröte. Dafür muss Mukkel nochmal in seine Gruppe. Das ist zum Glück ja kein Problem.
Kröte will nicht durch den aufgebauten Parcours, er tanzt lieber zur laufenden Musik.
Dann ist auch schon wieder Abendbrotzeit.
Die Jungs sind schräg drauf. Kröte weint ohne Körperkontakt und Mukkel turnt auf seinem Sitz, sprintet immer wieder durch den Speisesaal und ignoriert mich. Als Mukkel dann noch dringend auf die Toilette muss aber alle öffentlichen Toiletten wegen des Magen-Darm-Viruses geschlossen sind, müssen wir das Abendessen schnellstens abbrechen und auf unser Zimmer rennen. Das halbe Brötchen und die Kiwi von meinem Teller stecke ich noch schnell in die Tasche und esse es später im Zimmer.
Mukkel hat tatsächlich einhalten können und schafft es aufs Klo. Kleiner, großer Junge!

30.11.
Die Nacht war bis 04:00 Uhr sehr gut, dann war Kröte wach. Er schlief gegen 05:00 Uhr wieder ein, ich bin aufgestanden.
08:00 Uhr Joggen – 6,2 km. Lief gut, obwohl ich morgens dachte, ich schaffe es kaum zum Treffpunkt. So platt war ich.
Anschließend „Entspannung“. Bin eingeschlafen.

Dann sprach mich eine Mutter auf einem der Flure an, dass Kröte vormittags in der Gruppe so sehr allein geweint hätte und nicht getröstet wurde. Die gestrige kurze Erleichterung verpuffte und mein Herz brach ein Stück. So konnte es nicht weitergehen!
Ich ging zum Arzt und holte mir einen Termin, dann telefonierte ich mit meinem Mann. Es gab jetzt nur noch 2 Möglichkeiten für mich: Trenne ich mich für den Rest der Zeit von Kröte oder brechen wir 3 ab?
Da ich die besten Eltern und den besten Ehemann der Welt habe, machten sie es möglich, dass Kröte uns verlassen und vorzeitig nach Hause zum Papa zurück fahren kann. Die Art und Weise, wie in dieser Gruppe die Kinder behandelt und geachtet werden, ist einfach zu gegensätzlich zu meiner Erziehung, meinen Wünschen und Krötes Bedürfnissen.
Als alles organisiert ist, muss ich erstmal heulen. Aber es ist das Beste so. Ich kann die Kur zu Ende bringen, denn die Anwendungen gefallen mir überwiegend sehr gut und der Beziehung zu Mukkel wird diese Exclusivzeit auch sehr gut tun.

Noch ein vorletztes Mal muss ich Kröte am Nachmittag in die Gruppe geben. Er weint wieder heftigst und ich gehe mit einem furchtbaren Gefühl weg. Sogar Mukkel schaut schon besorgt. So kennen wir unsere Kröte nicht.
Mu-Ki-Turnen mit Mukkel ist anstrengend. Das Kind ist überdreht und hektisch. Die Situation zerrt an unser aller Nerven.

Ein Gedanke zu „Schweres Mutterherz“

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